Kannst du deine Gene beeinflussen?

Kannst du deine Gene beeinflussen?

„Du bist deiner Mama ja wie aus dem Gesicht geschnitten, aber die blauen Augen, die sind aber ganz der Papa!“. Sprüche wie diese kommen dir bekannt vor? Kein Wunder, denn dein Aussehen hängt maßgeblich von deinen Eltern ab und den Informationen, die sie über ihre Gene an dich weitervererbt haben. Dass sich Geschwister mal mehr, mal weniger ähnlich sehen, kann daran liegen, dass ihnen nicht genau die gleichen Gene der Eltern vererbt wurden. Aber wie erklären sich dann Unterschiede im Aussehen und Verhalten von eineiigen Zwillingen? Haben eineiige Zwillinge nicht genau dieselben Gene und müssten demnach auch zu 100 % identisch sein?

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass abgesehen von dem als unveränderlich geglaubten Genom, der Gesamtheit aller Erbinformationen, auch noch das Epigenom existiert. Das Epigenom kannst du dir wie die Verpackung deiner Gene vorstellen. Deine Umwelt, dein Lebensstil und die Erfahrungen, die du alltäglich machst – all das hat Auswirkungen auf diese „Verpackung“. Wie deine Gene „verpackt“ sind hängt somit nicht ausschließlich von den Genen deiner Eltern ab und erklärt, weshalb selbst eineiige Zwillinge sich doch immer etwas unterscheiden.

Faktoren, die dein Epigenom beeinflussen sind zum Beispiel deine Ernährung, Stress, Traumata, Krankheiten, Pestizide und Sport. Dein Lebensstil und all diese Umwelteinflüsse können sich dabei ebenso auf dein Epigenom auswirken, wie auch auf das deiner Kinder und sogar deiner Enkel! Dies wird zum Beispiel am bekannten Fall des Hungerwinters in den Niederlanden deutlich. Dort litt die Bevölkerung in der Nachkriegszeit 1944 unter starkem Hunger. Bei Frauen, die in dieser Zeit schwanger waren, hatte der Nährstoffmangel im Mutterleib gravierende Auswirkungen für ihre Kinder bis ins Erwachsenenalter. Noch bevor die Kinder überhaupt auf die Welt kamen, hatte der Hunger der Mutter epigenetische Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Kinder und führte für diese später zu einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Diabetes.

Veränderungen an deinem Epigenom liegen verschiedene Mechanismen zu Grunde. Diese können die Struktur und somit die Funktion einzelner Abschnitte in deinem Genom beeinflussen und dabei aktivierend oder deaktivierend wirken. Einer dieser Mechanismen ist die Methylierung. Dabei wird deiner DNA eine Methylgruppe hinzugefügt. Und genau hier lässt sich der Einfluss der Ernährung auf dein Erbgut erklären. Denn ein wichtiger Methylgruppenlieferant ist die Aminosäure Methionin, die beispielsweise in Soja, Sesamkernen und Nüssen vorkommt. Um die Methylgruppe aus dieser Aminosäure, einem Proteinbaustein, auf deine DNA zu übertragen ist eine Kette an biochemischen Reaktionen in deinem Körper notwendig, für die bestimmte Nährstoffe benötigt werden.

So spielen zum Beispiel Vitamin B 6, das du aus Haferflocken oder Sonnenblumenkernen aufnimmst, Folsäure aus Grünkohl oder Spinat oder Magnesium aus Leinsamen oder Cashewkernen eine wichtige Rolle im Methylierungsprozess der DNA. Andere Bestandteile, wie zum Beispiel Indole aus Brokkoli oder Rosenkohl wirken als Methylierungsblocker.

Je nachdem wo die Methylierungen vorliegen, können diese in die Genaktivität eingreifen und stellen dieses in der Regel „stumm“. In manchen Fällen beeinflusst ein solches Stummlegen deine Gesundheit positiv, in anderen Fällen wirkt es sich negativ aus. Handelt es sich zum Beispiel um ein Gen, das normalerweise der Entstehung von Krebs entgegenwirkt, ist die Methylierung des Gens gesundheitsschädlich!

Eine Studie zu einem Stoff aus Grüntee hat mit ihrer Forschung an dieser Stelle angesetzt und herausgefunden, dass bestimmte Stoffe aus grünem Tee diese krebsunterdrückenden Gene wieder reaktivieren können. Grüntee ist dabei keine Ausnahme, auch sekundären Pflanzenstoffen aus Brokkoli wird ein entgiftender Effekt und der Schutz vor Krebsentstehung zugeschrieben.

Vielleicht hast du schon von Resveratrol gehört, einer Verbindung, die in Weintrauben und somit auch in Wein (hauptsächlich Rotwein) vorkommt. Resveratrol verhindert die epigenetische Stummschaltung von dem Gen BRCA-1, das die Tumorentwicklung unterdrückt und vor Brustkrebs schützt. Dieses Gen ist vor allem bekannt dadurch, dass ein Test auf Mutationen, also Veränderungen, in den BRCA-Genen das Risiko einschätzen kann, an Brustkrebs zu erkranken.

Weitere Beispiele stellen Phyto-Östrogene aus Soja und anderen Hülsenfrüchten dar, die Tumorbildung vorbeugen können und auch Kurkuma, das wir zum Beispiel für unsere Golden Coconut Protein Bites verwenden, beeinflusst das Epigenom.

Einige dieser Stoffe wurden bisher nur in Tiermodellen erforscht und nicht alle Dosierungen, die unter Laborbedingungen effektiv waren, kannst du auch eins zu eins auf deine Ernährung übertragen. Die Faustregel für eine Ernährung reich an Inhaltsstoffen, die dein Epigenom positiv beeinflussen ist allerdings ganz simpel: Je bunter, desto besser! Denn sekundäre Pflanzenstoffe sind natürliche Pigmente, die Obst und Gemüse ihre Farben verleihen.

Um die positiven Auswirkungen, die gesunde Lebensmittel für dein Epigenom haben, nicht wieder zu Nichte zu machen, solltest du idealerweise zu Bio-Lebensmitteln greifen. Denn Umweltschadstoffe wie Pestizide gehören zu Störfaktoren des Epigenoms und haben negative Auswirkungen auf dein Hormonsystem.

Um dir das Thema der Epigenetik näher zu bringen, könnten wir noch stundenlang weiterschreiben. Die wichtigste Botschaft ist aber, dass DU dein Leben selbst in der Hand hast. Deine Gene sind dir vererbt worden, doch du selbst kannst sie du durch aktive Entscheidungen für einen gesunden Lebensstil Tag für Tag aufs Neue beeinflussen! Denn nicht nur deine Ernährung spielt eine grundlegende Rolle für dein Epigenom. Auch regelmäßige Bewegung, soziale Kontakte und Wohlfühlmomente im Leben beeinflussen deine Gene und somit nicht nur dich persönlich, sondern auch deine Kinder und deren Kinder, …

Tipps für einen gesunden Lebensstil und was du von den ältesten und gesündesten Menschen der Welt lernen kannst, kannst du auch im Blogpost über das Geheimnis der Blue Zones nachlesen.